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Sternenhimmel

Der Sternenhimmel - Sterne richtig fotografieren

Des Fotografen Blick in die Sterne

Himmelskörper stehen von der Erde aus gesehen nicht still. Da sich unser Planet um seine eigene Achse dreht, verschiebt sich der Himmelsausschnitt vor einer fix montierten Kamera dauernd. Deshalb fotografiert man Gestirne für wissenschaftliche Zwecke mit einer Nachführapparatur, die die Erdrotation kompensiert. Ohne eine solche Einrichtung erscheint bloß der Polarstern im Norden annähernd als Punkt, da er nur ein Grad vom nördlichen Himmelspol, der Verlängerung unserer Erdachse, entfernt ist. Alle anderen Sterne scheinen sich um ihn zu drehen, werden also bei den notwendigerweise langen Belichtungszeiten als Teile von Kreislinien abgebildet.

Wenn wir 24 Stunden lang belichten, bilden sich die Sterne als geschlossene Kreislinien ab. Nur in den höchsten nördlichen Regionen zur Zeit der ewigen Nacht könnten wir solche Aufnahmen machen. In unseren Breitengraden müssen wir uns mit kürzeren Linien zufrieden geben, pro Stunde drehen sich die Sterne aber immerhin 15 Grad um den Polarstern.

Für solche Aufnahmen eignen sich nur mondlose Nächte. Zudem muss man sich aus dem Bereich großer Städte begeben. Künstliche Lichtquellen und eine trübe Atmosphäre lassen die meisten Sterne verschwinden.

Hat man eine klare Nacht erwischt und einen guten Standort gefunden, sollte man den Schlafsack nicht vergessen haben. Montieren Sie die Kamera auf dem Stativ, stellen die Verschlusszeit auf "B", arretieren den Draht- resp. Fernauslöser und stellen den Wecker auf die Uhrzeit, in der Sie die Belichtung abbrechen wollen. Bis dann verkriechen Sie sich im Schlafsack. Lagerfeuerromantik ist nicht angesagt, denn das Licht und der Rauch könnten die Aufnahmen ruinieren.

Sollten Sie feststellen, dass sich der Verschluss nach einer Weile selbständig geschlossen hat, liegt das daran, dass Ihrer Batterie der Saft ausgegangen ist. Während der Verschlusszeit muss nämlich der Spiegel nach oben gehalten werden. Aufnahmen mit mehreren Minuten Belichtungszeit sind nur mit einer guten Batterie möglich. Batteriekontrollen zu Hause in der warmen Stube sind tückisch: draußen bei tieferen Temperaturen sinkt die Leistung stark ab. Nehmen Sie eine Ersatzbatterie mit, die Sie in der Hosentasche warmhalten. Noch besser ist ein externes Batteriepaket, das Sie mit in den Schlafsack nehmen und via Kabel mit der Kamera verbinden.

Während einer bestimmten Phase der Dämmerung sind die Belichtungszeiten für hellere Sterne (1 bis 60s) und für Landschaften oder Gebäude ungefähr gleich. In dieser Zeitspanne kurz nach Sonnenuntergang lässt sich z.B. ein Gebäude wirkungsvoll vor dem Sternenhimmel abbilden.

Sternenhimmel Australien Langzeitbelichtung

A1, 28mm, Blende 5.6, ca.1h, Ektachrome100 Elite.

Sternenhimmel über Zentralaustralien. Der Vordergrund ist so hell, weil kurz vor Abbruch der Belichtung der Mond aufging.

Bemerkenswert sind die enormen farblichen Unterschiede der einzelnen Gestirne. Das Phänomen ist nur bei klarer Atmosphäre zu beobachten und wird beim verwendeten Filmmaterial noch verstärkt wiedergegeben.

Sternenhimmel Langzeitfotografie

Sternenhimmel - Langzeitaufnahme Greifensee

Oben, beide Fotos: A1, 28mm, Blende 5.6, ca. 30 min., Ektachrome100 Elite (oben) und Fujichrome RD100.

Zwei klassische Langzeitbelichtungen des Sternenhimmels (oben Loch McNess, Australien, unten Greifensee). Obwohl wir uns beim unteren Bild in der Nähe einer großen Stadt befinden, erlaubt die mondlose Nacht eine sehr lange Belichtungszeit ohne die Gefahr von Überbelichtung.

In 24 Stunden drehen sich die Himmelskörper von uns aus gesehen um 360°, in einer Stunde also um 15°. Aus der Länge der Kreislinien lässt sich so auch nachträglich die Belichtungszeit ermitteln.

Joshua_Sternenhimmel

Sternenhimmel Langzeitbelichtung

Oben, beide Fotografien: A1, 28mm, Blende 2.8, 30s (oben), Blende 5.6, 3min. (unten), Agfachrome CT21 und Ektachrome100 Elite (unten).

Sternenhimmel über der Mojave-Wüste (USA) und dem Strand von Bunbury (Australien).

Solche Landschaftsaufnahmen sind nur bei klarer Atmosphäre zu bewerkstelligen, denn die Sterne sind nur dann als Punkte abbildbar, wenn wir mit kurzen Belichtungszeiten arbeiten können. Dafür muss es noch hell genug sein; in der Dämmerung sind aber bei den bei uns häufigen Dunstschichten so knapp über dem Horizont höchstens die allerhellsten Sterne sichtbar.