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Blaue-Stunde

Zur "Blauen Stunde" - Motivschule

»Die Blaue Stunde«

... die manchmal nur fünf Minuten dauert. In den Tropen, wo die Sonne das ganze Jahr steil auf- und niedergeht, sind die Dämmerungen immer kurz. Ein paar Minuten nach Sonnenuntergang ist es gleich dunkel wie in einem Tunnel. Die Zeit, in der die Umgebung in das gesuchte natürliche blaue Licht getaucht ist, dauert höchstens ein paar Minuten.

Da haben wir es in den gemäßigten und nördlichen Breitengraden doch besser. In den Jahreszeiten mit kurzen Tageslängen verschwindet die Sonne unter einem flachen Winkel hinter dem Horizont. Dann sind die Dämmerungen am längsten - eine gute Zeit für die Fotografen. Der Himmel zeigt noch Farbe, und mit Über- und Unterbelichtungen lassen sich die verschiedensten Effekte erzielen - von tagheller Beleuchtung bis zur dunkelsten Nacht.

Man sollte sich aber davor hüten, zu früh zur Kamera zu greifen; zu Beginn der Dämmerung ist der Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Erde sehr groß. Überprüfen Sie das mit zusammengekniffenen Augen! Der Himmel erhält durch die knapp unter dem Horizont liegende Sonne noch sehr viel Licht, während der Erdboden davon nicht mehr profitieren kann. Warten Sie solange, bis der Himmel dunkler geworden ist, er ist auch dann noch farbig genug!

Vor allem in den Wintermonaten ist die Farbtemperatur des natürlichen Lichtes während dieser Stunden sehr hoch. Das kalte Licht mag negative psychische Effekte auslösen (»feeling blue«). Fotos erhalten einen Blaustich, den man manchmal bewusst sucht. Monochrome Bilder mit Blautönen haben die Bildwirkung einer kühlen bis kalten Umgebung. Sie verstärken den Eindruck einer Nachtaufnahme, indem sie die kühle Luft simulieren.

Eine rein blaue Umgebung bietet sich an, um mit warmem Kunstlicht Farbkontraste zu schaffen. Fluoreszenzlampen mit ihrem grünlichen Licht verstärken eher noch den kühlen Charakter des Umgebungslichtes. Das warm-rötliche Licht von Glühlampen bewirkt hingegen einen extremen Farbkontrast. Orange und Eisblau stehen sich auf dem Farbenkreis gegenüber.

Versuchen Sie, die belichteten Fenster eines Gebäudes mit aufs Bild zu kriegen. Der Farbkontrast verstärkt sich noch, wenn sich die flächenmäßigen Anteile der Farben stark unterscheiden. Als Beispiel bringt ein kleines, von Glühlampen erleuchtetes Fenster in einer blauen Landschaft am ehesten die Bildwirkung einer warmen Stube in einer kühlen Umgebung; und einen perfekten Blickfang dazu.

Werft_Blaue_Stunde

SA-300N, 300mm, Blende 5.6, ca. 1/2s, Fujichrome RD100.

Ein Dezemberabend. Winterlicher Nebel über den Hamburger Werften.

Churfirsten

Canon A1, Makinon 400mm Mirror, Blende 6,7, ca. 1/4s, Fujichrome RD100.

Mondaufgang über den Churfirsten. Die Sonne ist vor etwa 20 Minuten untergegangen, über die Atmosphäre reflektiert sie aber noch dieses typische blaue Licht auf die Landschaft.