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Nachtaufnahmen simuliert

Nachtaufnahmen simuliert

"Falsche Nacht"

Mit der Simulation von Nachtaufnahmen bei Tageslicht befinden wir uns in berühmter Gesellschaft. Die Hollywoodstreifen, auf denen die Postkutsche und eine Horde Indianer im mondscheindurchfluteten Monument Valley Staub aufwirbeln, wurden bei Tageslicht bei hellstem Sonnenschein gedreht. Polfilter dienten zur Abdunkelung des Himmels, Blaufilter vermitteln die kühle Lichtfarbe des Nachthimmels. Etwas unterbelichtet wird das Geschehen auf den Film gebannt.

Genau so können wir auch verfahren: wählen Sie einen hellen Vordergrund, stellen Sie sich möglichst so, dass mit dem Polfilter ein starkes Abdunkeln des Himmels möglich wird (ca. 90Grad zur Sonne), und nehmen Sie einen starken Blaufilter, der fast alle anderen Farben unterdrückt. Und nun mit einer Belichtungsreihe die Belichtung immer weiter reduzieren.

Mit dem Schwarzweißfilm haben wir noch weitere Möglichkeiten. Mit Farbfiltern lässt sich die Komplementärfarbe unterdrücken. Ein Rotfilter (25A) bewirkt eine kräftige Kontraststeigerung, da er Blau und Grün fast restlos sperrt. Er ist ideal, um Wolken hervorzuheben und den Himmel zu verdunkeln. Wenn wir den Film dabei unterbelichten, entsteht der Eindruck einer Aufnahme bei Mondlicht.

Kombiniert man einen Rot- mit einem Polarisationsfilter, lässt sich bei seitlicher Sonneneinstrahlung ein blauer Himmel vollkommen schwarz abbilden. Grüne Blätter werden hingegen sehr hell wiedergegeben. Dieser Bildeffekt kommt dem eines Infrarotfilmes nahe.

Schwarzweiß-Infrarotfilme bilden Pflanzengrün fast weiß und den blauen Himmel sehr dunkel ab. Für den gewünschten Effekt müssen sehr dunkle Rot- oder spezielle IR-Filter verwendet werden.

Neu auf dem Markt ist der Ilford SFX200 mit einer erweiterten Rotempfindlichkeit. Er ergibt ähnliche Effekte mit einem für die SW-Fotografie üblichen Rotfilter.

Stimmungsbild See mit Frau

Canon A1, 50mm, Blende 5.6, 1/125 s (-1), Interchrome100.

Es geht auch so: Aufnahme gegen die tiefstehende Sonne. Um eine Stufe unterbelichtet, ergibt sich der Eindruck von Mondlicht. Mit einem Blaufilter ließe sich der Effekt noch verstärken.
Dass es sich nicht um eine Langzeitbelichtung handelt, sehen Sie an den scharf abgegrenzten Reflexen auf der Wasseroberfläche.

A1, 28mm, Blende 11, zweite Aufnahme zwei Stufen unterbelichtet, mit Pol- und Rotfilter Cokin A003. Ilford PanFPlus.

Simulierte Nacht mit SW-Film. Für die zweite Aufnahme wurde der blaue Himmel mit einem Pol- und einem kräftigen Rotfilter auf schwarz getrimmt. Beide Filter kombiniert ergeben in vielen Situationen einen ähnlichen Effekt wie ein IR-Film.

Nachtaufnahme simuliert SW-Infrarotfilm

A1, 28mm, Blende 11, 1/60s, Rotfilter Cokin A003, Kodak High Speed Infrared.

Simulierte Nacht mit SW-IR-Film. Mit dem vorgeschalteten Filter zeichnet der Film alle Motive, die wenig Infrarot reflektieren, dunkel. Normalerweise wird er benutzt, um Pflanzen stark verfremdend in einem hellen Weiß abzubilden. Im Gegenzug erscheint ein blauer Himmel dunkel.

Falsche Nachtaufnahmen mit dem Blitzgerät

Mit einem Blitzgerät gelingt es uns unter Umständen, den Tag zur Nacht zu machen. Ein leistungsfähiges Modell ist dabei von großem Vorteil. Oder Sie besitzen eine der seltenen Kameras mit Zentralverschluss, mit denen mit kürzeren Verschlusszeiten geblitzt werden kann.

Stellen Sie in der Blendenautomatik die für Blitzaufnahmen erforderliche Verschlusszeit (Synchronisationszeit) ein, lesen Sie die von der Kamera ermittelte Blende ab. Nun stellen Sie die Kamera auf manuelle Belichtung und schließen die Blende von Hand auf einen höheren Wert. Jede Stufe lässt nun das Bild dunkler werden. Ein Abblenden um ein oder zwei Stufen ergeben einen Effekt wie zur Dämmerung. Ist ein weiteres Abblenden noch möglich, bekommt man den Eindruck von tiefer Nacht.

Nun können Sie mit dem Blitzgerät Ihr Motiv aufhellen.

Die richtige Belichtung werden Sie womöglich mit einem auf Automatik gestellten Blitz nicht schaffen. Stellen Sie das Gerät auf manuell und ermitteln Sie für die jeweilige Blende und ASA-Zahl die richtige Entfernung. Diese ergibt sich aus der einfachen Rechnung:

Distanz = Leitzahl : Blende (bei 100 ASA)

Für jede Verdoppelung der Filmempfindlichkeit müssen Sie die Distanz mit dem Faktor 1,41 multiplizieren, für eine Halbierung durch dieselbe Zahl dividieren.

Positionieren Sie die Kamera in der errechneten Distanz, außer wenn Sie das Blitzgerät extern einsetzen (mit Kabel oder externem Blitzauslöser). Dabei können Sie mit der Kamera eine größere Distanz zum Objekt einnehmen und Sie müssen nur das Blitzgerät in die ermittelte Entfernung bringen.

Größere Motive werden Sie nicht ausleuchten können, und bei hellem Sonnenschein ist das Verfahren praktisch nicht einsetzbar.

Den Effekt des "nächtlichen Lichtes" können Sie noch verstärken, indem Sie einen Blaufilter verwenden. Wollen Sie Ihr Hauptmotiv farbenrichtig auf dem Bild (wie es bei einer normalen Langzeitblitzaufnahme bei Nacht auch

Friedhof

Canon A1, 50mm, Blende 11, 1/60s, Zweite Aufnahme mit Blaufilter A21 (Cokin) und Orangefilter vor Blitzgerät, Ektachrome100 Elite II.

Blitzaufnahme bei Tageslicht. Mit dieser Verschlusszeit (Synchronisationszeit) wäre mit Blende 4.5 der Hintergrund ausreichend belichtet worden. Die Unterbelichtung um zweieinhalb Blendenstufen ergab den Effekt der Dämmerung.
Ein extern eingesetztes Blitzgerät mit Leitzahl 32 leuchtete den Vordergrund aus.