Fotografieren.li

Lichtspuren

Lichtspuren und »Lichtmalen« in der Fotografie

Eigene Lichtkreationen

Fahrende Autos bei Nacht ergeben ja schöne Bilder. Aber mit frei beweglichen Lichtquellen sind wir flexibler und können allerhand zaubern. Die Möglichkeiten dabei sind unerschöpflich.

Werden wir uns nochmals bewusst, dass »Fotografieren« nichts anderes bedeutet, als »mit Licht zeichnen«. Und genau das machen wir jetzt! In einem dunklen Raum oder draußen bei Nacht schrauben Sie die Kamera auf ein Stativ, stellen eine mittlere Blende ein und öffnen den Verschluss auf Stellung "B". Nun können Sie vor der Kamera mit einer Taschenlampe, einer Wunderkerze oder einer anderen Lichtquelle malen und schreiben was Ihnen beliebt - als Gemälde oder Schriftzug wird es auf dem Bild erscheinen! Nutzen Sie Ihre Phantasie!

Wollen Sie einfache Motive zeichnen, können Sie mit der der Kamera zugewandten Lampe die nötigen Armbewegungen ausführen. Schwieriger ist es mit Schriftzeichen, da Sie dabei spiegelverkehrt schreiben müssen. So ist es einfacher, sich mit dem Rücken zur Kamera hinzustellen und mit der nach hinten leuchtenden Lampe wie an eine fiktive Wandtafel zu schreiben.

Sie können sich auch als Sprayer betätigen, ohne dass man es der Mauer später ansehen kann. »Bemalen« oder »beschriften« Sie eine Mauer mit einer starken Taschenlampe. Damit es nachher auf dem Film gut sichtbar ist, müssen Sie mit der Lichtquelle nahe an das Gemäuer heran und relativ langsam zeichnen. Bewegen Sie sich dabei dauernd etwas, damit Sie auf dem Bild nicht sichtbar werden! Wollen Sie sich selbst noch auf dem Werk verewigen, machen Sie das besser mit einer separaten Blitzbelichtung nach der Vollendung des Kunstwerkes.

In einem dunklen Raum können Sie beliebig lang belichten, draußen richtet sich die Verschlusszeit nach der Umgebungshelligkeit. Wird Ihre Lichtspur zu schwach abgebildet, müssen Sie die Bewegung mit dem Leuchtkörper langsamer ausführen, damit sein Licht länger auf den Film einwirken kann.

Sprayer Schloss Greifensee

A1, 23mm, Blende 8.0, ca. 2min., Fujicolor HG200.

»Sprayer« am Schloss Greifensee. Mit einer starken Halogentaschenlampe wurde der Schriftzug auf der Mauer verewigt. Das in der Hand ausgelöste Blitzgerät wurde mit einer Streuscheibe versehen. Die Programmblende am Blitzgerät entsprach dem am Objektiv eingestellten Wert.

Lichtspuren_Schloss_Grifi

SA-300N, 18mm, Blende 4.5, ca. 40s, Agfachrome CTx 100.

Unverkennbare Botschaft, mit einer Armeetaschenlampe »gezeichnet«.

Beachten Sie die farblichen Differenzen der beiden Aufnahmen oben und unten: Der vom Kunstlicht beleuchtete Teil zeigt auf den Bildern die verschiedenen Abbildungseigenschaften der Filme.

Lichtspuren abstrakt

A1, 28mm, Mehrfachbelichtung. Fujichrome RD100.

Experimentieren Sie! Nehmen Sie verschiedene Lichtquellen und wandeln Sie diese mit Farbfiltern und Masken um.

Lichtpendel

Die fotografische Aufzeichnung der Spur einer bewegten punktförmigen Lichtquelle nennt man Lichtpendelgrafik oder Rhythmogramm. Meist wird dazu eine Taschenlampe, deren Leuchtwinkel verkleinert wurde, mit einer Schnur an der Decke eines abgedunkelten Raumes aufgehängt. Die Kamera mit Weitwinkelobjektiv wird dabei auf den Fußboden gelegt. Vor dem Öffnen des Verschlusses wird die Lampe in Schwingung versetzt. Durch Ziehen an der Schnur können Sie dem schwingenden Pendel ab und zu eine neue Richtung geben.

Belichten Sie bei einer mittleren Blende ein paar Sekunden bis zu einer Minute. Durch Farbfilter, die Sie während der Belichtung austauschen können, schaffen Sie bunte Ellipsen.

Sie können auch mehrere Grafiken überlagern. Decken Sie das Objektiv ab, während Sie dem Pendel eine neue Schwingungsrichtung geben.

LIchtpendel_uni

Lichtpendel_Farbig

Lichtspur_Velolampe

SA-300N, 18mm, Blende 11, ca. 30s (links), Aufnahme rechts: Blende 5.6, 10s, Agfachrome CTx100.

Lichtpendelaufnahmen. An einer kleinen Taschenlampe ist der Reflektor bis auf eine kleine Öffnung mit schwarzem Klebband abgedeckt. Mit einer ca. 50cm langen Schnur wird die Lampe an der Zimmerdecke befestigt, die Kamera auf kurz gehaltenem Stativ montiert. Etwa 10s nachdem die Lichtquelle in Schwingung versetzt wurde, wird mit dem Drahtauslöser auf Stellung B ausgelöst.

Die Farbeffekte ergaben sich durch Farbfilter, die während der Aufnahme gewechselt wurden. Damit sie erschütterungsfrei ausgetauscht werden konnten, lagen sie nur lose auf dem Objektiv.

Beim dritten Bild rechts verursachte ein Fahrradrücklicht die etwas pummelige Lichtspur.

Leuchtreklamen und andere ruhende Lichter

Bunte Lichtquellen eignen sich, um Lichtspuren zu produzieren. Sind diese nicht in Bewegung - wie wir das bisher gesehen haben - bewegen wir während der Belichtungszeit einfach die Kamera. Bevor sich der Verschluss schließt, schwenken Sie z.B. den Fotoapparat. Je langsamer Sie dabei die Kamera bewegen, desto besser ist die Leuchtspur zu erkennen! Benutzen Sie dabei ein Stativ mit Panoramakopf, scheint sich die Lichtquelle auf dem Bild geradlinig zu bewegen. Diese Aufnahmen gehören zu den Bewegungseffekten.

Lichtspuren Kerzen Fenster

SA-300N, 300mm, Blende 11, 15s, (+0.5), Agfachrome CTx100.

10s reichten für die richtige Belichtung des Fensters. Nach dieser Zeit wurde die Kamera - langsam! - seitwärts geschwenkt.
Ein dunkler Hintergrund ist für diese Technik wichtig, sonst kommt es zu Überlagerungen und abgeschwächten Kontrasten.

Wenn Leuchten laufen lernen

Frei im Raum oder in der Landschaft schwebende oder stehende Leuchtfiguren haben eine stark befremdende Wirkung. Am besten wählen Sie für die Aufnahmen einen eher neutralen Hintergrund, der nicht zu sehr von den Figuren ablenkt. Um diese optimal zur Geltung zu bringen, sollte ein gut erkennbarer Farbkontrast zwischen dem Licht der Figuren und dem Hintergrund gewählt werden. Dafür müssen Sie eventuell mit einer farbigen Hintergrundbeleuchtung, mit Farbfiltern vor dem Objektiv oder auch mit einem Kunstlichtfilm arbeiten.

Maßgebend für die Blenden- und Verschlusszeitenwerte ist in den meisten Fällen die gewünschte Helligkeit des Raumes auf der Abbildung. Die Helligkeit der Leuchtbilder lässt sich ja noch regulieren durch die Geschwindigkeit der Schwenkbewegung und die Stärke der Lampe.

Wenn Sie sich während dem »Zeichnen« dauernd bewegen, sind Sie eigentlich auf dem Bild nicht mehr sichtbar. Es besteht aber die Gefahr, dass Sie sich mit der Lampe anstrahlen.

Tatzelwurm

SA-300N, 18mm, Blende 3.5, 30s, Agfachrome CTx 100.

Ein Leuchtwurm unterwegs. Während der Belichtungszeit wurde ein auf Blinkbetrieb geschaltetes Fahrradrücklicht um den Zaun »gewunden«. Ohne Handwechsel geht's nicht! Aber der Versuch lohnt sich.

Lazariterkirche Leuchtbilder Lichtspuren

Lazariterkirche_Lichtbilder

SA-300N, 18mm, Blende 3.5, 2min., Ektachrome64T Prof.

Wunderliche Figuren in der Lazariterkirche bei Gfenn. Die blaue Färbung kommt durch den Kunstlichtfilm zustande. Er hilft, ablenkende Farbunterschiede im Raum zu unterdrücken.

Hexenreigen Fackel Lichtspuren Fackel

SA-300N, 18mm, Blende 5.6, 2min., Agfachrome CTx 100.

Hexenreigen im Schwerzenbacher Ried.
Für die Fächerfigur war aber nur eine Person unterwegs. Während der Belichtungszeit lief ich mit einer brennenden Fackel dreimal zum Baum und leicht versetzt wieder zurück.

Lichtspuren Fackel Baum Lichtspuren

SA-300N, 18mm, Blende 8.0, ca. 1min., Ektachrome64T Prof.

Mit der hocherhobenen Fackel gings zum Baum, zweimal spiralförmig um den Stamm und mit der tiefgehaltenen Fackel wieder zurück. Dabei züngeln natürlich die Flammen am Ärmel.

Lichtspuren mit Fackel. Langzeitbelichtung

A1, 28mm, Blende 4.0, 4 min., Fujichrome RD100 Sensia.

Spirale, mit einer brennenden Fackle gezeichnet. Während der Belichtungszeit blieb ich ca. 2min. unter dem Baum stehen, wo ich schemenhaft abgebildet bleibe.

Lichtmalen

Malen mit dem »Lichtpinsel«

Wenn wir einem Teil des Bildes etwas mehr Licht verpassen wollen, können wir während der Belichtungszeit mit einer Lampe etwas nachhelfen. Bei offenem Verschluss strahlen wir den heller abzubildenden Teil einfach an.

Um die Helligkeit zu variieren, haben Sie drei Methoden zur Verfügung. Ein Motivteil erscheint heller, wenn Sie entweder:

- eine stärkere Lampe benutzen

- ihn aus kürzerer Distanz beleuchten, oder

- länger beleuchten

Soll mit einer schwachen Lampe eine hohe Helligkeitsstufe erreicht werden, müssen Sie eventuell zwei Methoden kombinieren, d.h. das Motiv aus kurzer Distanz und lange beleuchten.

Ein großes Motiv - ein Gebäude etwa - lässt sich mit einer kleinen Lampe nicht auf einmal erfassen. Das ist aber kein Hindernis. Man kann es nämlich regelrecht »bemalen«, und das ganz ohne Farbe! Bei offenem Verschluss schwenken Sie den Lichtkegel Ihrer Lampe über das Motiv.

Soll das Objekt gleichmäßig ausgeleuchtet auf dem Bild erscheinen, müssen Sie regelmäßig »malen«, nämlich alle Motivteile gleich lang und aus gleichem Abstand beleuchten. Es steht Ihnen natürlich frei, Helligkeitsakzente zu setzen, indem Sie gewisse Flecken länger oder aus kürzerer Distanz beleuchten.

Nicht zu vergessen ist nun aber die phantastische Möglichkeit, Farbe ins Spiel zu bringen. Die meisten künstlichen Lichtquellen bringen schon einen gewissen Farbstich mit sich, den wir unter Umständen gezielt anwenden können. Andererseits lassen sich die Lampen mit Farbfiltern versehen. Die werden einfach mit Gummibändern oder Klebstreifen vor dem Reflektor befestigt. Oder Sie verwenden eine Taschenlampe mit eingebauten Filtern.

"Body painting"

Unser Modell wird bei dieser Methode nicht mit Farbe bepinselt. Unsere Farbpalette besteht einzig aus einer Taschenlampe und einer Auswahl an starken Farbfiltern.

Bei geöffnetem Verschluss wird nun die »eingefärbte« Lichtquelle - berührungslos, so schwer es auch fallen mag - über unser Motiv geführt. Bei diesem Malen mit Licht stehen Ihnen die selben Möglichkeiten zur Verfügung wie dem pinselschwingenden Künstler. Sie können heller oder dunkler malen, Farben mischen und Farben abschwächen.

Wollen Sie Ihr Motiv in einer Farbe erstrahlen lassen, für die Sie keine Filter besitzen, lohnt es sich, die additive Farbmischung zu kennen: mit den additiven Grundfarben Rot, Blau und Grün lassen sich die subtraktiven Grundfarben Gelb, Purpurrot und Cyanblau produzieren. Wenn wir dabei ein weißes oder neutralgraues Motiv mit zwei gleich starken Lichtquellen und z.B. jeweils zwei gleich dichten Blau- und Grünfiltern anstrahlen, erscheint es in der Farbe Cyan.

Bedenken Sie aber, dass die Farbe des Objektes auch noch zur Mischung beiträgt. So wird das Bildresultat natürlich schwierig voraussehbar.

Beate_Akt_1_colored

Beate_Akt_blau_n

Beate_Akt_gruen_2_neu

SA-300N, 18mm, Blende3.5, ca. 10s, Agfachrome CTx100.

Das Modell wurde mit einer einfachen, mit Farbfiltern versehenen Taschenlampe »bemalt«.