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Blitzen

Langzeit-Blitzen, Wanderblitz, Mehrfachblitzen

Blitzen - was ist machbar?

Verschaffen Sie sich eine Ahnung, auf welche maximale Distanz Sie blitzen können! Dazu brauchen Sie:

- die Leitzahl aus dem Handbuch des Blitzgerätes, und

- die größte Blendenöffnung des verwendeten Objektives

Die maximale Distanz lässt sich nun leicht berechnen:

Distanz = Leitzahl : Blende

Mit einem Blitzgerät mittlerer Stärke (Leitzahl 32) und einem Objektiv mit der größten Blende 4.0 kommen Sie so auf

32 : 4 = 8m.

Mit einem lichtstärkeren Objektiv ist die maximale Blitzdistanz natürlich größer (mit Blende 2.0 z.B. doppelt so weit).

Dasselbe gilt auch bei der Verwendung von höherempfindlichen Filmen. Die oben erwähnte Leitzahl ist für 100 ASA definiert. Bei 400 ASA ist sie doppelt so groß, so dass auf die doppelte Entfernung geblitzt werden kann. Weil die Lichtmenge im Quadrat mit der Entfernung abnimmt, ist für eine Verdoppelung der Blitzdistanz ein vierfach empfindlicherer Film nötig.

Wenn Sie die Rechnung mit einigen Beispielen durchdividieren, werden Sie sehen, dass es keinen Sinn macht, vom Eingangsportal aus den Petersdom mit dem Blitzgerät ausleuchten zu wollen. Sie schaffen es ebensowenig, von der hintersten Reihe im Stadion Ihren Fußballstar anzublitzen, obwohl das genügend Leute immer wieder versuchen.

Beachten Sie, dass die maximale Blitzdistanz nur bei geöffneter Blende erreicht wird.

Blitzen bei langen Verschlusszeiten

Im Freien ist das Blitzlicht dazu da, das vorhandene schwache Umgebungslicht zu ergänzen. Wenn Sie mit der von vielen Kameras automatisch eingestellten kürzesten Blitz-Synchronisationszeit (bei älteren Modellen i.d.R. 1/60s) blitzen, wird nur der vom Blitzgerät erreichte Teil hell abgebildet. Die Umgebung verschwindet meistens in dunkelstem Schwarz.

Wenn wir zum Blitzen eine längere Verschlusszeit einstellen, lässt sich auch der schwach beleuchtete Hintergrund noch erkennen. »Langzeitblitzen« nennt man das Verfahren. Dafür ermitteln wir zuerst die Belichtungszeit, die ohne Blitz nötig wäre, um die Umgebung hell genug abzubilden. Das Blitzlicht dient jetzt nur noch dazu, ein bestimmtes Motiv heller hervorzuheben. Um dieses genug vom Hintergrund abzuheben, reduzieren wir vor dem Auslösen die Verschlusszeit um 1 bis 11/2 Stufen. (Beachten Sie das Bild auf Seite 42). Wenn Sie in dieser Situation nicht auf die maximal mögliche Blitzdistanz angewiesen sind, können Sie alternativ zur Belichtungszeit auch die Blende um 1 bis 11/2 Stufen schließen.

Solche Aufnahmen wirken häufig fremd, weil der vom Blitzlicht ausgeleuchtete Bildbereich in natürlichen Tageslichtfarben erscheint, während die Umgebung in Kunstlicht oder die Farben eines Sonnenuntergangs getaucht bleibt. Um diese Unstimmigkeit zu vermeiden, können Sie Farbfilter vor das Blitzgerät halten.

Kojoten_Blitz_73x10

AE1, 300mm, Blende 5.6, 1/60s (Synchronisationszeit), Agfachrome CT 21.

Blitzaufnahme von zwei streitsüchtigen Kojoten in Nevada. Das Blitzgerät mit Leitzahl 32 schafft die ca. 6m Distanz gerade noch. Ein Abblenden des Objektives ist da nicht mehr drin.

Langzeitblitzen

Canon A1, 135mm, Blende 4.0, 1/60 s (Synchronisationszeit) und 1s, ScotchChrome400.

Blitzaufnahmen mit kurzer und langer Verschlusszeit. Wenn Sie - wie eben üblich - mit der Synchronisationszeit blitzen, wird vom Umgebungslicht praktisch nichts miteinbezogen. Durch die extrem kurze Leuchtdauer der Blitzröhre wirken Bewegungen wie eingefroren.

Beim Langzeitblitzen von bewegten Motiven kann - in diesem Fall durch die Lichtspuren - noch ein Aspekt der Bewegung mit aufs Bild gebracht werden.

Entfesselte Blitzfotografie

Dem »Wanderblitz« möchte ich ein eigenes Kapitel widmen, da sich damit eine Anzahl von interessanten Effekten kreieren lässt. Man spricht bei dieser Aufnahmetechnik auch vom »entfesselten Blitz«, was darauf hinweist, dass wir dabei das Blitzgerät von der Kamera nehmen und »extern« einsetzen. Wir wandern mit unserer elektronischen Lichtquelle herum und lösen sie von Hand aus, während der Kameraverschluss die ganze Zeit über offen ist.

Diese Methode wird vielfach propagiert zur Ausleuchtung von weitläufigen Motiven, wofür ein aufgesteckter Blitz wegen der beschränkten Reichweite nicht fähig wäre. Auf diese Art können Sie im Petersdom die Kamera mit geöffnetem Verschluss stehen lassen, mit ihrem Blitzgerät »wandern«, und dabei das Gebäude mit dem Blitz »stückchenweise« ausleuchten.

Blitzen Sie auf die Gegenstände, die Sie auf dem Bild heller hervorgehoben haben wollen. Wenn Sie sich während der Aufnahme ständig bewegen, sind Sie auf dem Bild höchstens als schwache Unschärfe erkennbar.

Die Belichtungszeit richtet sich nach dem Umgebungslicht. Belichten Sie ausnahmsweise eher etwas knapp, die angeblitzten Objekte heben sich so besser ab.

Ein Computerblitzgerät mit eingebauter Belichtungssteuerung macht Ihnen die Arbeit einfach: Sie wählen auf dem Blitzgerät eine der Programmblenden, die Sie auch auf die Kamera übertragen. Nun reguliert das Blitzgerät die Lichtmenge automatisch.

An einem TTL-Blitzgerät, wie es heute Standard ist, befindet sich unter dem roten Abdeckglas kein Sensor, es handelt sich um ein Hilfslicht, das das Autofocus-System der Kamera zur Scharfstellung im Dunkeln benutzt. Bei der TTL-Blitzsteuerung reguliert das Kameragehäuse die Belichtung, indem es die Blitzröhre bei ausreichender Lichtmenge abstellt. Das funktioniert aber nur, wenn das Blitzgerät mit der Kamera verbunden bleibt. Für diesen Zweck können Sie es über ein (nicht gerade billiges) Synchronisationskabel mit dem Kameragehäuse verbinden, bleiben aber dabei in der Reichweite limitiert.

Wenige TTL-Geräte erlauben auch Computer-Blitzbetrieb. Ansonsten müssen Sie bei entfesseltem Betrieb Ihren Blitz auf manuelles Blitzen umschalten. Dabei wird bei jedem Auslösen die volle Lichtleistung abgegeben. Stellen Sie an Ihrer Kamera bzw. am Objektiv eine mittlere Blende ein. Nun bestimmen Sie die Entfernung, die Sie beim Blitzen zu ihren Objekten einhalten müssen. Benutzen Sie dazu den Blendenrechner auf dem Blitzgerät oder rechnen Sie:

Distanz = Leitzahl : Blende

(für 100-ASA-Film)

Auch hier gilt: Bei einer Verdoppelung der Filmempfindlichkeit müssen Sie die Distanz mit dem Faktor 1,41 multiplizieren, bei einer Halbierung durch dieselbe Zahl dividieren.

Es genügt, wenn Sie die Entfernung ungefähr einhalten, es kommt nicht auf den Zentimeter an.

Joshua_tree_Blitz

AE1, 35mm, Blende 4.0, 30s, MChrome (Fuji) 100.

Langzeit-Blitzaufnahme im Joshua-Tree National Park (USA). Mit der langen Verschlusszeit wurde die Himmelsfärbung eingefangen. Das Blitzgerät wurde getrennt von der Kamera von Hand ausgelöst. Es beleuchtet den Vordergrund, der sonst nur als schwarze Kontur sichtbar wäre. Die seitliche Lichtführung ist dabei dem frontalen Licht eines an der Kamera befestigten Blitzgerätes unbedingt vorzuziehen.

Friedhof Dracula Langzeitblitzen

SA-300N, 18mm, Blende 4.5, 30s (+1), Fujichrome100 Sensia.

Mit dem extern eingesetzten Blitzgerät wurde eine Mehrfachbelichtung simuliert (s. hierzu auch die folgende Seite). Während der Belichtungszeit stellte ich mich (mit meinen dritten Zähnen) kurz vor die Kamera und blitzte mit einem um zwei Belichtungsstufen reduzierten Blitzgerät von unten ins Gesicht. Durch den schwachen Blitzeinsatz scheint der helle Bereich des Hintergrundes durch.

Wanderblitzaufnahme

A1, 28mm, Blende 5.6, 40s, Kodachrome 64.

Wander-Blitzaufnahme beim Lindenhof in Zürich. Mit der langen Belichtungszeit wurde der Hintergrund richtig belichtet. Das losgelöste Blitzgerät diente nur als Effektlicht. In der Hand gehalten wurde es während des Gehens auf die Hose gerichtet und so oft wie möglich ausgelöst. Für mehrere Blitze während der Belichtungszeit sind starke Batterien wichtig.

Blitzen_Cocklebiddy

A1, 28mm, Blende 4.0, 30s, Ektachrome100 Elite.

Ehemaliger Golfplatz, langzeitgeblitzt in der gottverlassenen Nullarbour plain in Australien.
Durch die lange Belichtungszeit wurde das Umgebungslicht mit eingefangen. Um eine flache Ausleuchtung des Motivs zu verhindern, wurde das Blitzgerät von der Kamera getrennt und von Hand ausgelöst. Übereinstimmend mit der Blendeneinstellung am Objektiv war die Programmblende am Computerblitzgerät eingestellt. So ist eine richtige Blitzbelichtung gewährleistet.

Simulierte Mehrfachbelichtungen - Mehrmals geblitzt hält besser

Bei längeren Belichtungszeiten haben Sie die Möglichkeit, mit dem Blitzgerät oder mit Lampen in einfacher Art und Weise mehrere Positionen eines Objektes aufs selbe Bild zu bannen.

Ein ähnlicher Effekt ist mit Mehrfachbelichtungen möglich, aber häufig mit einem größeren Aufwand verbunden.

Doppelbelichtung

A1, 50mm, Blende 5.6, 20s, Fujichrome RD100.

Die erste Teilbelichtung wurde in ansonsten völlig dunkler Umgebung mit dem Blitzgerät frontal ausgeleuchtet. Für die zweite Belichtung lehnt sich das Modell leicht nach vorne. Dann wird hinter der Person das Blitzgerät ein zweites Mal ausgelöst, wodurch sich der Silhouetteneffekt ergibt.

Doppelbelichtung

SA-300N, 35mm, Blende 5.6, 1min., Ektachrome 100 Elite II.

In völlig dunklem Raum und bei offenem Verschluss wurde das auf Programmblende 4.0 eingestellte Blitzgerät zweimal ausgelöst. Für die erste Blitzbelichtung sitzt das Modell auf dem Stuhl, bei der zweiten steht dieser verlassen da.

Lazariterkirche_Multilampe

Sigma SA-300N, 18mm, Blende 5.6, 1min., Ektachrome64T Prof.

Zehnmal der gleiche Kirchgänger. Während der Belichtungszeit setzte ich mich kurz auf die vorderste Bank, leuchtete mir mit einer roten Lampe ein paar Sekunden ins Gesicht, dann gings in die Bank dahinter, und so weiter...

Stroboskopblitz - echt und simuliert

Strobo - es bewegt sich was

Das griechische Wort "Stroboskop" wird mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Eine Wörterbuchdefinition lautet: »Ein Stroboskop ist eine Vorrichtung zum Betrachten einer Bilderreihe, die eine Bewegung zeigen.« Ein Lexikon definiert: »Ein Stroboskop ist ein optisches Gerät zur Erzeugung von Lichtblitzen bestimmter Frequenz; dient zur Beobachtung periodisch schnell veränderlicher Vorgänge.«

Jedenfalls geht es in beiden Fällen um das Sichtbarmachen von Vorgängen. Einzelne Fotos dienen als Grundlage für die altbekannten »Daumenkinos«. Mit etwas Fingerspitzengefühl blättert man eine Serie Bilder durch, die - wenn wir es schnell genug machen - unserem Gehirn eine kontinuierliche Bewegung (vom über ein Hindernis springenden Pferd bis zum Striptease) vorgaukeln.

Solche Bilder sind mit heutigen motorbetriebenen Kameras einfach zu machen, sie gehören aber nicht zu unserem Themenbereich.

In der Fotografie ist mit dem Begriff Stroboskop üblicherweise ein Blitzgerät gemeint, das in kurzer Zeit mehrere Lichtblitze abgeben kann. Damit werden Bewegungsvorgänge in einzelne Teilschritte zerlegt, die man dann auf einer Abbildung betrachtet.

Einige leistungsfähige Blitzgeräte erlauben für diese Zwecke sehr kurze Blitzfolgezeiten, d.h. in kurzen Abständen wird die Blitzröhre gezündet. Damit das möglich ist, muss der Kondensator (der den von den Batterien kommenden Strom, der auf hohe Spannungen transformiert wird, zwischenspeichert) eine gewisse Kapazität aufweisen.

Die Geräte sind nicht nur groß, sondern auch teuer. Flexibel, wie wir sind, behelfen wir uns mit einem üblichen Computer-Blitzgerät. Dieses lässt sich in kurzen Zeitabständen von Hand auslösen. Wenn wir dabei mit kleinen Arbeitsblenden - 2.8 etwa - und auf kurze Distanzen arbeiten, wird bei jedem Auslösen nur ein kleiner Teil der Energie im Kondensator aufgebraucht. Der Rest steht uns für die nächsten Belichtungen zur Verfügung. So können wir in kurzen Zeitfolgen mehrere Male das Blitzgerät auslösen, bis der Kondensator leer ist.

Die Anzahl der möglichen Blitzzündungen ist abhängig von der Größe des Kondensators, der Arbeitsblende, der Distanz, der Helligkeit des Motivs, dem Anteil des von der Umgebung reflektierten Lichtes und vom Beitrag, den die stetig nachfütternden Batterien liefern.

Üblicherweise fotografiert man ein Motiv, das sich über das Bildfeld bewegt. Wenn keine Bildüberlagerungen gewünscht sind, sollten sich die einzelnen festgehaltenen Positionen nicht überlappen. Damit der Hintergrund - der ja mehrere Male angeblitzt wird - nicht zu Überstrahlungen führt, wird wenn möglich vor dunklem Hintergrund oder im Freien gearbeitet.

Disco-Stroboskope, auch als Elektronikbausatz erhältlich, sind normalerweise schwach und eignen sich höchstens für ganz nahe gelegene Motive. Auch dann werden Sie empfindliche Filme und ein lichtstarkes Objektiv benötigen. Da Sie kaum Angaben über die Leistung dieser «Blitzmaschinen» bekommen, werden Sie Belichtungsreihen machen müssen.

Bewegungen lassen sich aber auch auf andere Weise in einzelnen Stadien abbilden. Zumal das erwähnte Blitzgerät eine Stange Geld kostet und nur bei Dunkelheit seine Wirkung vollbringen kann.

Wir können das Objektiv während der Belichtungszeit mehrmals abdecken und wieder freigeben. Was sich währenddessen bewegt, wird bei jeder Teilbelichtung an einem anderen Standort festgehalten.

Natürlich machen wir das nicht plump mit dem Objektivdeckel oder dem schwarzen Hut. Am geschicktesten lassen wir eine Scheibe vor dem Objektiv rotieren, aus der ein schmales Segment ausgeschnitten ist. Dieser lichtdurchlässige Spalt simuliert dann die Belichtungszeit der einzelnen Teilbelichtungen.

Die richtige Verschlusszeit können Sie ermitteln, indem Sie die Belichtung ohne Abdeckung bestimmen, dann den undurchlässigen Anteil der Scheibe ermitteln und die Gesamtbelichtungszeit um diesen Anteil erhöhen.

Stroboskap-Blitzen

A1, 28mm, Blende 5.6, 2s, Fujichrome RD100.

Simulierter Stroboskopblitz. Ein Blitzgerät mit Leitzahl 32 wurde in kurzer Zeitfolge mehrmals von Hand ausgelöst. Durch den hellen Hintergrund kommt es zu den Überstrahlungen und der starken Abschwächung der Kontraste. Durch die Reflexion an den weißen Wänden wurde die Aufnahme mit der beschränkten Lichtleistung des Blitzgerätes aber erst möglich.