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Farbtemperatur

Umgang mit der Farbtemperatur in der Fotografie

Wann und wie korrigieren?

Fotografieren wir mit einem Tageslichtfilm im Freien, werden wir bei natürlichem Nachtlicht selten korrigierend eingreifen. Viele Tageslichtfilme sind quasi auch nachtlichttauglich.

Tendiert unser Film bei langen Belichtungszeiten zu starken Farbstichen, müssen wir eventuell nach Angaben der Hersteller reagieren. Wenn wir sie für unsere Bildaussage nutzen können, sind manche Farbstiche aber geradezu willkommen.

Machen wir Aufnahmen bei Kunstlicht, sollten wir unser Filmmaterial manchmal überlisten. Glüh- und Halogenlampen ergeben auf dem Foto einen braunroten Farbstich, der meistens zu stark ist, um nur gerade die romantische Stimmung zu betonen. In diesem Falle greifen wir zu einem Blaufilter, etwa dem Kodak Wratten Nr. 80B. Beachten Sie die Tabelle auf Seite 25.

Genau genommen gilt obige Bemerkung nur für Diafilme, denn bei der Verarbeitung eines Negativs zum Positiv lassen sich viele Kunstlichtstiche problemlos ausfiltern. Nur wird das nicht immer gemacht. Wollen Sie sicher sein, dass Ihre Farbfotos ohne Kunstlichtstich aus dem Labor zurückkommen, greifen Sie besser bei der Aufnahme zum Filter.

Bei Diafilmen haben wir auch die Möglichkeit, Kunstlichtfilme einzusetzen. Mit Fotolampen verwenden Sie einen Kunstlichtfilm Typ A. Der Typ B ist auf die etwas wärmeren Studiolampen abgestimmt und kann auch bei normaler Zimmerbeleuchtung mit Glühlampen verwendet werden.

Leuchtstofflampen (Fluoreszenzleuchten, fälschlicherweise oft als »Neonröhren« bezeichnet) strahlen nur einzelne Wellenlängen des sichtbaren Lichtes aus. Sie sind mit Bezeichnungen wie »warmwhite« oder »daylight« versehen, physikalisch betrachtet machen diese Angaben über die Farbtemperatur aber wenig Sinn.

Obwohl Leuchtstoffröhren künstliches Licht emittieren, sollten Sie trotzdem Tageslichtfilme verwenden. Der Blauanteil ist höher als bei Glühlampenlicht. Von den Filmproduzenten erhalten Sie Angaben zu Filtern oder Filterkombinationen für eine Konvertierung der Farben. Die Korrektur richtet sich nach der Lichtfarbe der eingesetzten Röhren. Normalerweise müssen Sie mit einem Grünstich rechnen, den Sie mit einem Orangefilter (z.B. A029 von Cokin) aufs Gröbste auskorrigieren können. Weder mit Konversions- noch mit Ausgleichsfiltern wird die Farbwiedergabe exakt den natürlichen Verhältnissen entsprechen, aber Sie werden auf Ihren Fotos nicht lauter Marsmenschen sehen.

Farbtemperatur als Gestaltungsmittel

Fotografieren Sie während den Stunden, in denen das natürliche Licht eine hohe Farbtemperatur aufweist (Morgenstunden, bevor die Sonne auf-, und Abendstunden, nachdem sie untergegangen ist), erhalten die Aufnahmen einen Blaustich. Bei Tageslichtaufnahmen wird diese kalte Farbwiedergabe vor allem bei Personenaufnahmen als unschön angesehen. Bei Nachtaufnahmen stört der gleiche Effekt weniger. Indem er den Eindruck von kühler Nachtluft verstärkt, spiegelt der Farbstich etwas von den Aufnahmebedingungen wieder.

Auch die teilweise extremen Farbstiche von künstlichen Lichtquellen können bildgestalterisch genutzt werden. Zeigen sich diverse Objekte wie Gebäude bei Tageslicht in einem langweiligen Grau, erstrahlen sie nachts knallbunt. Kunstlicht bringt Farbe ins Bild. Darum treffen Sie in so vielen Prospekten und Büchern auf Nachtaufnahmen. Die graueste, ödeste Stadt, die im Ferienprospekt im abendlichen Lichterglanz erstrahlt, vermag Touristen anzulocken.

Fischer_und_Boot_Teneriffa

Sigma SA-300N, 300mm, Blende 5.6, 1/8s, Ektachrome100.

Strandszene auf Teneriffa. Bevor die Sonne untergeht, versteckt sie sich noch hinter den Wolken. Die Himmelsfärbung dient als willkommener farbiger Hintergrund.

Pyramiden

Canon A1, 28mm, Blende 2.8, 2s, MChrome (Fuji RD) 100.

Pyramiden von Gize. Nachdem die Sonne untergegangen ist, ändert sich die Farbe des Himmels von Minute zu Minute.

Triest Kunstlicht-Aufnahme

AE1, 35mm, Blende 2.8, ca. 4s, Agfachrome CT 21.

Ein altes Gebäude in Triest. Die verschiedenen Leuchtkörper (alle ohne Farbfilter) »bemalen« das Haus mit buntesten Farben.

Zaun_Ostsee

Sigma SA-300N, 18mm, Blende 4.0, 10s (+1), Agfachrome CTx100.

Ein banaler Zaun an der nebligen Ostsee. Bei Tageslicht ist das Motiv nichts als ein trübes »Grau-in-grau«. In der Dämmerung ergibt sich durch das blaue Umgebungslicht und dem Grünstich der Lampe eine kleine Farbkomposition.

Pyramiden_Theotihuacan

AE1, 35mm, Blende 2.8, ca. 15s, MChrome (Fuji) 100.

Mondpyramide und Straße des Todes von Teotihuacán (Mexiko) während einer Lichtshow. Die Farben ergeben sich durch die mit Filtern versehenen Scheinwerfer.