Fotografieren.li

Objektiv und Stativ

Das Objektiv, das Stativ

Das Objektiv

Die heute zum Standard gewordenen Zoomobjektive sind allgemein eher lichtschwach. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist mit ihnen das Fotografieren aus freier Hand schwierig. Man benötigt schnell längere Verschlusszeiten, womit Verwacklungs- und Bewegungsunschärfen drohen.

Früher gehörte das Normalobjektiv mit 50 oder 55mm Brennweite zur Standardausrüstung jeder Fotokamera. Der Name »Normal« kommt aber nicht daher, dass das Objektiv zur Grundausstattung gehörte, sondern meint, dass uns die mit dieser Brennweite fotografierten Motive auf dem Bild wieder gleich groß erscheinen, sofern man das Bild aus dem üblichen Abstand (entspricht ungefähr der Bilddiagonale) betrachtet.

Diese Gattung von Objektiven zeichnet sich durch eine hohe Lichtstärke aus. So sind Blendenöffnungen von 1.4 nicht unüblich, was gegenüber einem Zoomobjektiv mit Lichtstärke 1:4.0 einen Gewinn von drei Blendenstufen bedeutet. Müsste man bei einer bestimmten Lichtstärke mit dem Zoom 1/4s belichten, lässt das Normalobjektiv 1/30s zu. Das liegt eher im Bereich, in dem man noch aus der Hand fotografieren kann.

Manchmal sind wir auf eine genaue Fokussierung angewiesen. Dabei ist nicht nur das helle Sucherbild durch ein lichtstarkes Objektiv von Nutzen. Durch die kleinere Tiefenschärfe sieht man regelrecht die Schärfe »springen«, was das Scharfstellen sehr erleichtert.

Arbeiten wir mit Stativ und im Bereich längerer Verschlusszeiten, scheint ein lichtschwaches Objektiv nicht von Nachteil. Ob man eine Landschaft im Mondlicht mit 2 oder 16 min. belichtet, scheint nur eine Frage des Sitzleders. Leider zeigt sich aber bei längeren Belichtungszeiten der Schwarzschildeffekt, der uns mit Empfindlichkeitsverlusten des Filmes und mit Farbstichen das Fotografenleben schwer macht. So kann ein Film bei 2min. Belichtung noch ziemlich farbneutral reagieren, bei 16min. erscheint das Bild unverhofft in einem schmutzigen Grünbraun. Also liegt es in unserem Interesse, so kurz wie möglich zu belichten, weshalb sich das lichtstarke Objektiv bezahlt macht.

Objektiv

»Lichtriese« 85/1:1.4 von Minolta im praktischen Porträt-Tele-Bereich.

Das Stativ

Eigentlich ist es möglich, Nachtaufnahmen ohne Stativ zu machen: Sofern Sie eine Unterlage finden, auf der Ihre Kamera ruhig steht, gelingt jede Langzeitbelichtung. Dass so ein Dreibein aber doch ganz bequem ist, werden Sie bald einsehen. Spätestens, wenn Sie irgendwo in der Wüste stehen und nach einer Mauer oder einer Parkbank suchen.

Stative gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Da sind die kleinen Taschenstative, die mit ausfahrbaren Füßchen, Schraubzwinge, Saugnapf (für die Autoscheibe) und Holzschraube meistens auch die schwerste Kamera tragen können. Mit der Wahl des Kamerastandpunktes ist man damit natürlich ziemlich eingeschränkt, aber für den Rucksacktouristen ist so ein Stativ immer noch besser als gar keines.

Stative mit größerer Stehhöhe gibt es in jeder Preis- und Gewichtsklasse. Vom billigen Wackelding für 20 Euro bis zum 15kg schweren Monstrum ist alles zu haben.

Welches ist das richtige Modell für Sie? Natürlich gilt: je stabiler, desto besser. Und ein schweres Stativ ist nun mal stabiler als ein Modell mit 500 Gramm, das beim Auslösen schon durch den nach oben klappenden Spiegel ins Schwingen kommt. Andererseits nützt Ihnen das beste Stativ wenig, wenn es zu Hause im Schrank bleibt, weil Sie sich schon beim ersten Ausflug einen Bandscheibenschaden geholt haben. Beachten Sie deshalb das Gewicht, vor allem, wenn Sie viel zu Fuß unterwegs sind. Ein Kilo betrachte ich persönlich als oberes Limit.