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Kamera

Die richtige Fotoausrüstung - die Kamera

Die Spiegelreflexkamera

Um es gleich vorwegzunehmen: Eine spezielle Kamera oder teures Zubehör brauchen Sie nicht. Mit jeder üblichen Spiegelreflexkamera - analog oder digital - sind Sie dabei. Ob Sie Ihr Gerät vom Großvater geerbt haben, oder ob Ihr Handwerkzeug frisch aus dem Laden noch in der Originalverpackung steckt - für diese Art von Fotografie gibt es keine Materialvorteile. Die Kamera muss lediglich Langzeitbelichtungen zulassen, d.h. der Verschluss muss sich mit einer "B"- oder "T"-Einstellung beliebig lange öffnen lassen. Das ist aber mit praktisch jeder Spiegelreflexkamera möglich.

Schauen Sie bei der Gelegenheit mal in Ihrem Kamerahandbuch nach, bis zu welcher maximalen Verschlusszeit Ihre Kamera automatisch belichtet. 30 Sekunden ist bei den heutigen Kameras üblich. Bei älteren Modellen geht der Bereich häufig nur bis zu einer Sekunde. Das ist aber nicht weiter tragisch, da für viele Nachtaufnahmen auch 30 Sekunden nicht reichen. D.h. wir belichten häufig auf "B" mit Fernauslöser und Sekundenzeiger.

Sucherkameras

Neben den Spiegelreflex-Modellen existiert auch eine Auswahl an Sucherkameras, die für unsere Zwecke taugen könnten. Die »Kleinen« haben den Vorteil, dass man sie eher mal dabei hat auf dem Abendspaziergang oder im Nachtleben. Viele Aufnahmen in diesem Buch wurden mit Kompakten gemacht.

Unsere ideale Sucherkamera

- hat ein lichtstarkes Objektiv

- reguliert die Belichtung bis 30s automatisch

- erlaubt eine Verschlusseinstellung auf "B"

Leider suchen wir diese Konstellation bei den heutigen Modellen vergebens. Die meisten Durchsichtsucher-Kameras kommen bei schlechten Lichtverhältnissen nur mit Blitzeinsatz zurecht. Die automatisch regulierten Verschlusszeiten gehen selten über eine Sekunde hinaus, und eine "B"-Einstellung sucht man meistens vergebens. Eine manuelle Einstellung ist nur noch bei antiquarischen Modellen möglich. So ist die Liste der geeigneten Sucherkameras auch relativ kurz. Bei der Auswahl müssen wir uns den hauptsächlichen Verwendungszweck vor Augen halten:

Wenn Sie vorwiegend an der Available-Light-Fotografie interessiert sind, sollten Sie vor allem auf ein lichtstarkes Objektiv achten. Die Modelle mit Zoom fallen da schon weg. Es bleiben z.B.

- die Leica Minilux mit einem 2.4/40-mm-Objektiv (und einem vierstelligen Preis)

- die (nicht billigere) Nikon 28TI Quarz Date mit einem 2.8/35-mm-Objektiv

- die (etwas preiswertere) Contax T2 mit einem 2.8/38-mm-Objektiv

Diese Modelle steuern eine Verschlusszeit von mindestens einer Sekunde noch automatisch.

Wollen Sie »echte« Nachtaufnahmen machen, d.h. mehrere Sekunden bis Minuten belichten, bieten sich folgende Fabrikate an:

- Die gesamte Pentax Espio Palette erlaubt mit einer Langzeiteinstellung Belichtungen von bis zu fünf Minuten.

- Die Minox CD 120 belichtet auf "B" bis zu drei Minuten.

Eine echte "B"-Einstellung weisen nur wenige Modelle auf, z.B.:

- die Leica minilux und die Leica mini zoom

- die Yashica Microtec Zoom 120

- die Modelle von Samsung

Wenn Sie sich vor einer gebrauchten Kamera nicht scheuen, stehen ein paar zweckmäßige Modelle zur Auswahl:

- Die fast schon legendäre Minox 35GT. Sie belichtet bis zu 30s automatisch, was mit dem lichtstarken 2.8/35-mm-Objektiv für viele Lichtverhältnisse ausreicht. Die neueren Modelle schaffen es nur noch bis acht Sekunden, besitzen aber immerhin noch die lichtstarke Optik und den standardisierten Drahtauslöseranschluss.

- Mit diesen technischen Daten und optischen Qualität kann es die Olympus XA mit dem 2.8/35-mm-Objektiv aufnehmen. Sie arbeitet bei mir zuverlässiger als die Minox GT.

- Außerdem geeignet sind auch die diversen klassischen Rollei-35-Modelle, für die als Gebrauchtartikel Höchstpreise verlangt werden.

Achten Sie darauf, dass die Kamera ein Stativgewinde besitzt und ein Auslösen mit Draht- oder Fernauslöser möglich ist.

Bei Pocketkameras mit den Filmformaten 110 und 126 lassen sich meistens nur eine oder zwei Verschlusszeiten einstellen, die für schlechte Lichtverhältnisse nicht geeignet sind. Kleinstbildkameras hingegen (Sie kennen Sie von Agentenfilmen wie James Bond 007) mit einer Negativgröße von ganzen 8x11mm sind dagegen wieder besser ausgestattet. Die 56g leichte Minox EC zum Beispiel belichtet bis 8s, das teurere Schwestermodell LX mit einer Lichtstärke von 1:3,5 gar bis 15s automatisch.

Das 1996 eingeführte APS (Advanced Photo System) hat neben der beschränkten Auswahl an Filmen weitere Nachteile. Kein einziges lichtstarkes Objektiv ist derzeit im Angebot. Und unter den Sucherkameras erlauben nur gerade einzelne Modelle von Minolta eine Belichtung von bis zu acht Sekunden, was für viele Zwecke aber immer noch zu wenig ist.

Das gleiche gilt leider auch für viele der digitalen Sucherkameras, von denen nur wenige länger als eine Sekunde belichten können. Die Nikon Nikon Coolpix S10 als Beispiel lässt mit Selbstauslöser eine Belichtungszeit von 10 Sekunden zu.

Spiegelreflex-Kamera

Die Lochkamera

Bei der Camera obscura - üblicherweise eine mit Film oder Fotopapier bestückte Box mit einer winzigen Öffnung - handelt es sich um die erste und einfachste Form des Fotoapparates. Sie hat den Fehler, dass die Bilder nicht vollkommen scharf werden, weil alle Bildpunkte als kleine, sich überlappende Scheibchen abgebildet werden. Deshalb fand man bis vor kurzem solche Modelle nur noch im Museum. Heute hat die Box aber wieder Anhänger gefunden. Sie ermöglicht allerlei fotografische Experimente mit Verzerrungen und Unschärfen. Und mit dreistelligen Blendenwerten erlaubt uns die Kamera auch bei Tageslicht lange Belichtungszeiten.

Mehr zum Fotografieren mit der Lochkamera

Lochkamera

Selbstgebaute Lochkamera mit Makro-Zwischenringen und einem Gehäuseverschluss. Passanten werden Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie den Deckel noch aufgesetzt haben, aber Sie fotografieren durch die winzige, mit dem bloßen Auge kaum sichtbare Öffnung in der Mitte der Abdeckung.