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Belichtung

Theorie der Fotografie: Licht und Belichtung

Licht an und für sich

Die Physik kann die Frage, was Licht an und für sich ist, nicht schlüssig beantworten. Um alle Eigenschaften des Lichtes erklären zu können, werden zwei Modellvorstellungen benötigt. Mit dem Wellenmodell von Huygens lassen sich Erscheinungen wie die Dispersion, die Polarisation und die Beugung am Spalt erklären. Das Korpuskel- oder Quantenmodell von Newton, dem Begründer der klassischen Mechanik, dient zur Erklärung der Reflexion und der lichtelektrischen Effekte. Es ist aber auch ganz nützlich, das Phänomen der Belichtung anschaulich zu machen.

Gemäß dem Modell gehen von einer Lichtquelle kleine, substantielle Partikel aus, die sich mit Lichtgeschwindigkeit geradlinig nach allen Richtungen ausbreiten. So ein Teilchen wird eben Korpuskel, manchmal auch Lichtquant oder Photon genannt.

Eine Frage der Menge

Gerade weil wir uns im Verlauf des Buches unter heiklen Lichtbedingungen bewegen, ist es wichtig, dass wir uns näher mit dem eigentlichen Grundstein der Fotografie befassen: der Belichtung.

Um ein richtig belichtetes Foto zu erhalten, muss eine bestimmte Menge Licht auf den Film gelangen. Diese Menge ist abhängig von der Empfindlichkeit des Filmes. Ein hochempfindlicher Film bringt mit knapper Belichtung ein genauso helles Bild hervor wie ein niedrigempfindlicher Film mit großzügiger Belichtung.

Die Belichtung ist, etwas vereinfacht, mit folgender Formel definiert:

Belichtung = Lichtintensität x Lichtdauer

Die Lichtintensität regulieren wir mit der Blende, die Lichtdauer mit der Verschlusszeit.

Aus der Definition der Belichtung ergibt sich das sogenannte »Reziprozitätsgesetz«. Das hört sich zwar sehr wissenschaftlich an, bedeutet aber im Prinzip nichts anderes, als dass sowohl

2 x 3 als auch

3 x 2 = 6 ergeben.

Daraus ergibt sich, dass wir (bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen) entweder

· bei kleiner Blendenöffnung lange belichten, oder

· bei offener Blende eine kürzere Verschlusszeit wählen können.

Wenn wir uns die Lichtteilchentheorie zu Hilfe nehmen, wird das Reziprozitätsgesetz anschaulicher. Um unseren Film richtig zu belichten, müssen wir - je nach Filmempfindlichkeit - eine bestimmte Anzahl Photonen auf ihn einwirken lassen. Wenn wir die Öffnung, durch die die Lichtteilchen in unsere Kamera gelangen können, klein halten (große Blendenzahlen), können nur wenige davon zur gleichen Zeit durchschlüpfen. Darum lassen wir den Verschluss lange offen, damit insgesamt genügend Photonen für eine korrekte Belichtung den Weg auf den Film finden.

Bei einer großen Blendenöffnung lassen wir viele Teilchen auf einmal herein. Darum schließen wir den Verschluss früher, damit nicht zu viele Photonen eintreten und unser Bild überbelichten.

Die Belichtung muss an die herrschenden Helligkeitsverhältnisse angepasst werden. Bei gutem Licht sind viele Photonen vorhanden, so dass auch bei kleiner Blendenöffnung und kurzen Belichtungszeiten genügend Teilchen auf den Film gelangen. Bei schlechten Lichtverhältnissen halten wir die Blende eher offen und fangen mit langen Belichtungszeiten genügend Teilchen ein.

Wenn Sie Nachtaufnahmen machen, werden Sie bestimmt die Fragen von Passanten hören: »Was fotografieren Sie denn im Dunkeln? Da sieht man doch nichts!«

Wie kann man solch unterbelichtete Fragesteller etwas nachbelichten? Nun, wie Sie ja leicht erraten können, sind auch bei »Dunkelheit« (richtig zappenduster wird es meist nur in geschlossenen Räumen) noch ein paar Photonen vorhanden. Wenn wir genügend lange belichten, können diese ausreichen, um ein Bild auf unseren Film zu bannen.

Sonnenuntergang

Canon A1, 800mm, Blende 13, 1/2s, ScotchChrome100.

Die Sonne verzieht sich hinter dem Horizont. Von diesem Moment an wird das Licht knapp und die Belichtung schwierig.

Belichtung Fotografie

Bei Sonnenschein (oben im Bild) sind viele Photonen (Lichtteilchen) unterwegs. Wir belichten kurz und fotografieren mit eher geschlossener Blende, damit keine überbelichteten Bilder entstehen.

Belichtung - Messen und Regulieren

In vergangenen Zeiten stellte der Fotograf Blenden- und Verschlusszeitenwerte von Hand ein. Die Lichtverhältnisse musste er dabei abschätzen oder er ermittelte sie mit einem Handbelichtungsmesser.

Im Prinzip könnten wir auch heute noch so verfahren, denn in mancher Filmpackung finden wir noch immer die Einstellwerte von Verschlusszeit und Blende in Abhängigkeit von den herrschenden Lichtverhältnissen. Allerdings sind die Abstufungen nicht sehr fein, und ob es jetzt leicht oder stark bewölkt ist, ist manchmal schwierig abzuschätzen.

Ein Negativfilm mit seinem generell großen Belichtungsspielraum wird bei dieser Steinzeitmethode keine großen Qualitätseinbußen zeigen. Mit Diafilmen, die gerade noch eine Abweichung von plus/

minus einer Belichtungsstufe ertragen, wäre ein richtig belichtetes Bild eher ein Zufallstreffer.

Deshalb überlassen wir üblicherweise die Belichtungseinstellung dem in der Kamera eingebauten Belichtungsmesser und der damit gekoppelten Belichtungsautomatik. Diese Einrichtungen beherrschen im Normalfall denn auch ihr Metier.

Bei Nachtaufnahmen ist das anders, so dass die Freunde des »Manuellen« voll auf ihre Kosten kommen. Da die meisten Belichtungsmesser bei sehr kleinen Lichtwerten nicht mehr ansprechen, müssen wir für Langzeitbelichtungen häufig abgeschätzte Werte einstellen und mit Belichtungsreihen die richtige Belichtung einkreisen. So begeben wir uns mit diesem Themengebiet wieder in die Steinzeit der Fotografie zurück.

Belichtungs-Einstellung

Bei schlechten Lichtverhältnissen müssen wir bei geöffneter Blende lange belichten, damit genügend Photonen auf den Film gelangen und das Bild ausreichend belichten können.