Fotografieren.li >

> Mond-Nächte

Mondnächte - der Mond in der Fotografie

Wenn die Wölfe heulen

Landschaften bei Mondlicht sind sicher eines der schönsten und dankbarsten Fotomotive. Unser Trabant ist dabei eine äußerst variable Lichtquelle: seine Lichtstärke variiert je nach Größe der Mondscheibe, der Höhe über dem Horizont und der Jahreszeit. Im Winter ist die Farbe des Mondlichtes gelblich und intensiv hell, im Frühling und Spätsommer eher bläulich und fahl. Dazu kommen witterungsbedingte Farbeinflüsse.

Mondlichtaufnahmen sind eher eine Sache der Übergangsjahreszeiten und des Winters. Im Hochsommer, wenn in unseren Breitengraden die lang andauernde Dämmerung einen großen Teil der Nacht einnimmt, ist der Mond als Lichtquelle selten zu gebrauchen. Zudem macht uns in dieser Jahreszeit häufig der Dunst zu schaffen.

Die richtige Verschlusszeit lässt sich nur mit einer Belichtungsreihe treffen. Der Mond reflektiert das Sonnenlicht und bringt uns etwa 1/5000 bis 1/400000 des Sonnenlichtes auf die Erde. Mit einem Film mit der Empfindlichkeit von ISO 100/21° ergeben sich daraus Belichtungszeiten zwischen 30s und 40min. bei Blende 4.0. Ein Vorschlag für eine Belichtungsreihe auf Ektachrome100, Landschaft bei Vollmond, kein zusätzliches Kunstlicht, Blende 4.0: 2, 4, 8 und 16min. Bei Belichtungszeiten über 20 min. lassen die mit dem Mond wandernden Schatten das Foto in vielen Bereichen unscharf erscheinen.

Im Gegensatz zur Sonne erlaubt der Mond immer direkte Gegenlichtaufnahmen. Sie können den Lichtkörper ins Bild mit einbeziehen. Dabei sind häufig leicht kürzere Belichtungszeiten möglich.

Immer wieder hört man aber von enttäuschten Fotografen, die den Mond auf ihren Bildern absolut weiß abgebildet wiederfinden, obwohl sie doch von Auge die verschiedenen Helligkeitsstufen auf der Oberfläche unseres Trabanten sehen konnten. Dazu ist zu bemerken, dass auf der beleuchteten Seite des Mondes Tageslicht herrscht, da sie ja direkt von der Sonne beleuchtet wird. So ist die Mondoberfläche natürlich um ein Vielfaches heller als die vor uns liegende Landschaft, die nur durch das von der Mondoberfläche reflektierte Sonnenlicht profitiert. Um den Mond so zu belichten, dass die Krater erkennbar sind, dürfen wir nur kurz belichten, also ähnlich wie bei einer Aufnahme auf der Erde bei Tageslicht (auf 100-ASA-Film bei Blende 16 etwa mit 1/15 s).

Bei diesen Werten wird die nächtliche Erdoberfläche natürlich stark unterbelichtet abgebildet. Um den Mond und die Landschaft zusammen richtig zu belichten, geht es nicht ohne Trick.

Verfügt Ihre Kamera nicht über eine Mehrfachschaltung, können Sie folgendermaßen vorgehen: Visieren Sie mit dem Teleobjektiv den Mond an. Plazieren Sie ihn am oberen Bildrand des Sucherbildes. Nun halten Sie einen dunklen Gegenstand vor das Objektiv, lösen auf Stellung "B" aus und blockieren den Auslöser. Durch kurzes Entfernen der Objektivabdeckung müssen sie nun die Belichtungszeit für diese erste Aufnahme simulieren. Nun wechseln Sie das Teleobjektiv gegen das Weitwinkel. Befinden Sie sich an einem Ort ohne starke Lichtquellen, wird das Licht, das während des Objektivwechsels in die Kamera gelangt, keine sichtbaren Spuren auf dem Film hinterlassen. Drehen Sie aber die Kamera aus dem Mondlicht.

Machen Sie zuerst die Aufnahme mit dem Tele, denn für den ersten Teil ist es wichtig, dass Sie Bildausschnitt und Schärfe im Sucherbild überprüfen können. Für die zweite Teilbelichtung können Sie das Sucherbild nicht mehr zur Hilfe nehmen, da der Spiegel während der ganzen Belichtungszeit nach oben geklappt ist und Ihnen keinen Durchblick mehr erlaubt. Die Schärfe können Sie deshalb nur anhand der Distanzskala einstellen. Auch eine Autofocus-Steuerung ist so nicht möglich.

Für eine detaillierte Abbildung des Erdtrabanten sind mindestens 300mm Brennweite erforderlich. Bei größeren Teleobjektiven wirken sich aber schon die geringsten Erschütterungen als gut sichtbare Verwacklungsunschärfe aus. Dazu reicht das leichte Vibrieren durch den nach oben schwingenden Spiegel und die Bewegungen des Verschlusses. Verwackelte Aufnahmen ab Stativ herunter fotografiert sind häufiger als man denkt. Verwenden Sie deshalb ein möglichst stabiles Stativ, fahren Sie die Beine und die Mittelsäule nur so weit wie nötig aus. Gut wirkt sich auch ein an das Stativ gehängtes Gewicht aus, ein Backstein etwa. Aber so was hat man nicht überall zur Hand. Eine Notlösung ist das Verfahren, bei dem man den Verschluss auf Stellung "B" öffnet und einen dunklen Gegenstand (einen schwarzen Karton oder einen Hut) vor das Objektiv hält. Nun wartet man, bis sich die Kamera nicht mehr bewegt und steuert die Verschlusszeit mit einem kurzen Entfernen der Abdeckung. Das ist natürlich mit einer größeren Ungenauigkeit verbunden und nur mit längeren Verschlusszeiten durchführbar. Für direkte Mondaufnahmen sind dabei lichtreduzierende Filter (Neutralgrau- oder Polfilter) nützlich. Damit kommen Sie auf mindestens 1/8s, die man mit etwas Übung »von Hand« regulieren kann.

Der Mond wirkt am interessantesten bei etwa halbvoller Scheibe. Dabei scheint die Sonne seitlich auf die Kraterwände, die sich so effektvoller abzeichnen als bei der direkten Beleuchtung des Vollmondes.

Häufig ist es akzeptabel, wenn der Mond nur als heller Punkt über der Landschaft steht. Haben Sie aber minutenlang belichtet, erscheint auf dem Bild die Form einer Weißwurst. Quintessenz: Die Belichtungszeit muss kurz sein, weil der Mond in zwei Minuten einen Weg zurücklegt, der seinem eigenem Durchmesser entspricht. Ein lichtstarkes Objektiv ist deshalb von Vorteil.

Fotografiert man den Mond mit einem 50-mm-Objektiv, zeigt er in der Abbildung nur gerade Stecknadelkopfgröße. Da aber ein Tele nur einen kleinen Bildwinkel besitzt, ist es schwer, gleichzeitig mit dem Mond eine Landschaft abzubilden. Verfügt man über eine Kamera mit Doppelbelichtungsmöglichkeit, fotografiert man zuerst mit einem Weitwinkel- oder Normalobjektiv die Landschaft. Dabei muss genügend dunkler Himmel aufs Bild, damit für die Mondscheibe Platz bleibt. Diese positioniert man bei der Zweitbelichtung.

Steinböcke Mond Bildmontage

Das übrigens eine digitale Bildmontage (Sandwich), die Farbe des Mondes entspricht aber durchaus der Originalaufnahme vom tiefstehenden Mond...

Akt_Duenen_Sandwich

Im Gegensatz zu Mehrfachbelichtungen dominiert bei einer Sandwich-Konstruktion (zwei Dias übereinandergelegt) das Dunkle. Schwarze Flächen blockieren den deckenden Bildteil vollständig.

Mond fotografieren

A1, 1000mm, Blende 16, 1/8s, Fujichrome RD100.

Formatfüllend wird die Mondsichel auch mit einem 1000er-Tele erst bei dreifacher Vergrößerung. Bei seitlichem Lichteinfall sind die Krater dank dem Schattenwurf am besten zu erkennen.

Beachten Sie die kurze Verschlusszeit trotz der kleinen Blendenöffnung. Bei längerer Belichtung wäre nur noch eine weiße Scheibe zu sehen.

Mond

A1, 300mm, Blende 5.6, 1/125s, Agfachrome CT21.

Subtropischer Baum in Mexiko. Bei Tageslicht oder in der Dämmerung lässt sich der Mond noch mit Zeichnung ins Bild integrieren. Dazu sind kurze Verschlusszeiten nötig, da auf der sichtbaren Mondoberfläche ja Sonnenlicht herrscht.

Wald in Kanada bei Mond

A1, 50mm, Blende 2.0, 4s, Fujichrome RD100.

Gegenlichtaufnahme zur späten Dämmerung an der trunk forestry road in Westkanada. Durch die knappe Belichtung wurde der Vordergrund nur als Silhouette abgebildet. Die Himmelsfärbung und die Wolken erhalten dadurch eine verstärkte Wirkung.

Bauernhof auf dem Hörnli bei Mondlicht

Minox 35 GT, 35mm, Blende 2.8, 20s, MChrome (Fuji) 100.

Bauernhof im Tösstal. Das warme Kunstlicht aus den Fenstern ergibt einen schönen Farbkontrast zum kalten Umgebungslicht.

Verschneite Landschaften sind bei Mondschein lange nach Sonnenuntergang noch so hell, dass eine knappe Belichtung reicht, bei noch längerer Belichtungszeit wäre das Foto fast identisch mit einer etwas farbarmen Tageslichtaufnahme

Mond über der Küste der Cinque Terre

Minox 35GT, 35mm, Blende 2.8, ca. 30s, Fujichrome RD100.

Vollmondnacht über der Cinque Terre (I).

Aus dem Reflexionsgesetz lässt sich ableiten, dass »Lichtstrassen« nur bei bestimmter Höhe der Lichtquelle über dem Horizont und gewissem Wellengang des Gewässers sichtbar werden.

Strand Mond Licht

Minox 35GT, 35mm, Blende 2.8, ca. 20s, MChrome (Fuji) 100.

Vollmond über Kreta.
Die Kamera liegt direkt auf den Kieseln des Strandes, die von der zurückgehenden Flut noch feucht sind. So spiegelt sich das Mondlicht tausendfach auf den Oberflächen der Steine.

mondlicht

SA-300N, 35mm, Blende 5.6, 2min., Ektachrome100 Plus Prof.

Mondlicht muss nicht zwingend zu blauen Farbtönen führen. Hier kam es bei Dunst und Nebel zu diesem Sepia-Bild. Dazu hat der Film wenig beigetragen. Ein Vergleichsfoto mit Ektacolor Pro Gold 160 Prof. zeigte die gleichen, etwas abgeschwächteren Farben.